Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1901.

Gründer und 1. Kommandant der Wehr war, Ludwig Floreich von 1901 bis 1933

Das nachfolgende ist ist ein Auszug aus der Festschrift zum 100 jährigen Jubiläum geschrieben von unserem Ehrenvorstandsmitglied Horst Kessel.

Die Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Bierstadt

Der Zusammenschluß der Bürger einer Gemeinde oder Stadt zur Pflege geistiger Güter gehört von jeher zu den Eigenarten menschlicher Gemeinwesen.Von gleicher Bedeutung ist seit frühester Zeit das Zusammenwirken der Menschen zum Zweck gegenseitiger Hilfe und nachbarlicher Unterstützung. Und dieses Ideal, das in dem Leitspruch "Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr" seinen Ausdruck findet, ist solange es Feuerwehren gibt, der Leitstern eines jeden Mitgliedes dieser uneigennützigen Vereine. In welchem Zusammenschluß von Männern wird wohl des Nächsten Wohl mehr gefördert als gerade in den freiwilligen Feuerwehren? Hatnicht schon eine große Anzahl von Feuerwehrmännern unter Hinansetzung des
eigenen Lebens anderen Hab und Gut gerettet, ohne auch nur im geringsten damit zu rechnen, dafür irgendwelche Belohnung zu erhalten? Aber hoch klingt das Lied vom tapferen Feuerwehrmann.

In der Gemeinde Bierstadt war es um die jahrhundertwende um das Feuerlöschwesen schlecht bestellt. Eine Pflichtfeuerwehr, die alle jahre einmal, am dritten Weihnachtsfeiertage, ihre Übung hatte, war diesen Aufgaben nicht gewachsen. Auch fehlte es an den Löschgeräten, die damals noch den beiden Gesangvereinen "Frohsinn" und "Männergesangverein 1883" gehörten. Um diesem Chaos ein Ende zu bereiten, rief der Bauunternehmer Ludwig Florreich Bierstadts jugend zum freiwilligen Feuerlöschdienst.Fünfzehn junge Idealisten folgten diesem Ruf und gründeten in der ersten Versammlung am 24. 08. 1901 die Freiwillige Feuerwehr Bierstadt. Zum ersten Kommandanten wurde in der Generalversammlung am 5. September 1901 der Gründer Ludwig Florreich gewählt. Er sollte dieses Amt bis zu seinem 70. Geburtstag am 24. August 1933 volle 32 jahre bekleiden. Der Name Ludwig Florreichs ist in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bierstadt und darüber hinaus im Nassauischen Lande nicht mehr wegzudenken. Seiner Iniative sind die Gründungen vieler Freiwilligen Feuerwehren der Wiesbadener Vororte zu verdanken
 
Bierstadt, 24 August 1901
Protokoll über die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bierstadt. Schon vor zwei jahren war durch Herrn Ludwig Florreich die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr am hiesigen Orte angeregt worden, scheiterte aber an ungenügender Beteiligung.

Durch fortgesetzte Agitation gelang es Herrn Ludwig Florreich, unterstützt durch verschiedene Herren, so namentlich Herrn Karl Klein, unter dem Heutigen eine Versammlung von Interessenten einzuberufen. Nachdem Herr Ludwig Florreich den Erschienenen in einer längeren Rede, die allseitigen Beifall fand, Ziele und Zwecke einer freiwilligen Feuerwehr genügend dargetan hatte, erklärten sich die nachstehend aufgeführten Herren bereit, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten. Ludwig Florreich, Karl Klein, Wilhelm Merkel, Kai Mayer, Wilhlern Gräf, Wilhelm Diefenbach, Adolf Beiderlinden. Gustav Enders, Ludwig Bierbrauer, Wilhlem Mayer, Otto Ermeyer, Adolf Heuß, Wilhelm Vogel, Karl Seulberger 11, Wilhelm Schirmacher,Heinrich Maus, Karl Sternberger, Heinrich Klotz, Carl Sternberger 11, Heinrich Litzinger, Carl Schöne, Karl Klotz. Hierauf wurde zur Wahl eines provisorischen Vorstandes geschritten und wurden nachstehend genannte Herren gewählt: 1. Vorsitzender Ludwig Florreich, 2. Vorsitzender Carl Klein, Beisitzer Wilhelm Merkel, Karl Mayer, Wilhehn Diefenbach, Adolf Beiderlinden. In der folgenden Diskussion wurde dem provisorischen Vorstande anheimgegeben, die weiteren Schritte zu veranlassen. Als Tag der ersten ordentlichen Versammlung wurde der 5. September erwählt. Hierauf wurde die erste Versammlung geschlossen.
Der Schriftführer: Custav Enders

Eine groß angelegte Haussammlung sowie die Bereitwilligkeit der Gemeinde konnte es gestatten, daß sich die junge Wehr in kurzer Zeit Geräte und Uniformen anschaffte. Ihre Feuertaufe erhielten die Feuerwehrmänner bei einem Großbrand in der Silvesternacht 1901 in Erbenheim. In den folgenden Jahren wuchs die Wehr bis zu einer Stärke von 80 aktiven Mitgliedern. Die Bierstadter Feuerwehr war durch die laufenden Einsätze in Bierstadt, Erbenheim, Kloppenheim, Igstadt, Hessloch und im Ländchen von der Bürgerschaft sehr geachtet. Ein besonderes Ereignis für die Wehr war im Jahre 1911 der große Feuerwehrtag anläßlich ihres ersten 10jährigen Stiftungsfestes. Mit dem Jahre 1914 setzte auch für die Wehr eine Zeit schwerer Arbeit und herben Leidens ein. Der größte Teil der Wehrleute mußte nach und nach dem Rufe des Vaterlandes folgen. Nun waren es die Alten, die vereint mit den heranWachsenden jungen Leuten die Reihen der Wehr wieder füllten. So mancher Kamerad, mußte sein Leben für das Vaterland opfern. Eine Gedenktafel wurde anläßlich
der 25jährigen Jubelfeier am Gerätehaus enthüllt. Die Jahre nach dem Kriege wurden eifrig genutzt, um der Wehr ihre alte Schlagkraft und Einsatzbereitschaft wieder zu geben.
 
Würdig, mit einem dreitägigen Volksfest wurde im Jahre 1926 in den "Leidenhecken" das 25jährige Jubiläum begangen. Auf ein Vierteljahrhundert konnte nun die Wehr zurückblicken, manchen schweren Einsatz hatte man zu bestehen. Wir erinnern an die Größbrände am 2. Oktober 1906 bei K. Klotz, Hintergasse (Haselstraße) und am 16. Juli bei K. Janson, Vordergasse (untere Schultheißstraße). Gerade das Jahr 1924 brachte einige Sorgen für Bierstadts Feuerwehr. Es brannte damals sehr oft. Neben dem Großbrand bei Janson mußte die Wehr zu einem Brand in die Taunusstraße, wo ein Stallgebäude in Brand geraten war, ausrücken. Bald darauf folgte wieder ein Alarm und die Ziegelei Häuser und Wintermeyer an der Nauroder Straße stand in Flammen. So wurde damals ernstlich die Schaffung einer Berufsfeuerwehr diskutiert. Rechnet man die Einsätze bei Kaminbränden, beim Löschen von Stroh- und Heuhaufen u. ä. dazu, so war das Jahr 1924 für die Männer der FFB aufregend und anstrengend.

Abgesehen von den Kriegseinsätzen gab es dann doch ein solches brandreichesJahr nicht mehr. Eine mechanische Leiter und eine Motorspritze wurden erworben und man konnte an den weiteren Ausbau des Feuerlöschwesens gehen. Zur Unterstützung der Bierstadter Wehr rief Kommandant Ludwig Florreich 1925 eine "Löschgruppe Fichte" ins Leben. Gruppenführer war Brandmeister Karl Mernberger.

Ausgerüstet war die Löschgruppe mit einer großen Druckspritze, die im Spritzenhaus der Nauroder Straße zwischen den Häusern Nr. 65 + 67 (Röder + Schreiber) untergebracht war. Die Löschgruppe stellte ihre Tätigkeit 1945 nach dem Krieg ein.

Am 24. August 1933 legte Kommandant und Kreisbrandinspektor Ludwig Floreich sein Amt nieder. Einstimmig wurde er zum Ehrenkommandanten gewählt. Vier Jahre später, am 1. Januar 1937 starb dieser Pionier des Feuerlöschwesens, mit ihm schied einer der besten der alten Feuerwehr-Garde.

Das Jahr 1933/34 sollte für die Wehr eine harte Existenzprobe infolge mehrfachen Kommandantenwechsels und der politischen Wirrnisse sein.
 
Nachhdem Schlossenneister Karl Bierbrauer die Wehr ein halbes Jahr als kommisarischer Kommandant führte, wurde am 6. Mai 1934 August Stemberger zum Komandanten gewählt. Er setzte das große Werk und die Tradition eines Ludwig Floreich fort. Leider wurde diese Aufbauarbeit durch den 2. Weltkrieg unterbrochenund die wehrfähigen Männer zur Pflichterfüllung an die Front gerufen. Wieder riß der Tod große Lücken in unsere Reihen. Die Reihen der einberufenen Kameraden füllte am 1940 die Jugend der Feuerwehr-HJ auf. Hier muß gewürdigt werden, was diese jungen Idealisten in den sechs schweren Kriegsjahren geleistet haben.

Im Alter von 14 und 17 Jahren wurden sie im schwersten Bombenhagel in Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Aschaffenburg und der näheren Umgebung eingesetzt. Für ihre Ausbildung hatte August Sternberger ein besonderes Augenmerk und Aloys
Fluck hat es verstanden, aus diesen jungen Menschen echte Feuerwehrmänner zu machen. Unvergeßlich wird für jeden von ihnen der Tag "Unter den Eichen 14" im Jahr 1943 sein, an dem sich die Bierstadter Gruppe den Meistertitel in der Angriffsübung holte und mit dem Feuerwehrabzeichen ausgezeichnet wurde.
 
Nach dem Zusammenbruch des Reiches war es der langjährige 2. Kommandant Karl Kaiser, - der zusammen mit Arthur Schiebener die Wehr wieder neu ins Leben rief. Ein Jahr später überahm Aloys Fluck die Führung und Karl Kaiser wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste um das Feuerlöschwesen zum Ehrenkommanten gewählt. Eine neue Epoche unter neuen Voraussetzungen begann für die freiwillige Feuerwehr Bierstadt. Mit einem modernen LF 15 und einer TS 8, einer
geschulten Mannschaft mit 65 aktiven Mitglieder und über 100 Inaktiven, ist die freiwillige Feuerwehr Bierstadt wieder zu einer einsatzfähigen Wehr geworden.

1951 wurde das 50-jährige Jubiläum, verbunden mit der Weihe des Fahnenbanners, festlich begangen. Bannerträger war Hermann Klotz, die Begleiter Erich Fluck und Paul Seulberger.

Nur sieben Jahre war es Aloys Fluck vergönnt, die Bierstadter Wehr zu führen Schwere Krankheit zwang ihn 1953 sein Amt an Walter Heimann abzugeben.

Aloys Fluck war ein großer Kommandant. Er verstand es vor allem, die Jugend zu begeistern. Am 30. Dezember 1960 schloß er für immer seine Augen, tief betrauert von seinen jungen Feuerwehrkameraden, denen er fast zwei Jahrzehnte Vorbild war.

Walter Heimann führte die Wehr unter schwierigsten Bedingungen bis zum Jahr 1966. Auch Walter Heimann hat sich um Bierstadts Feuerwehr verdient gemacht. Das Nachkriegsaufbauwerk eines Aloys Fluck und Walter Heimann führte seit 1967
Edwin Stiefvater, ein junger aufgeschlossener Feuerwehrmann, mit viel Geschick weiter.
 
Nach dem erfolgreich verlaufenen 75jährigen Jubiläum im Jahre 1976 legte Wehrführer Edwin Stiefvater sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Die freiwillige Feuerwehr Bierstadt ist ihm zu großem Dank verpflichtet.

Von 1977 bis 1987 führte der bisherige 2. Vorsitzende Bernd Götz die Wehr mit großem Geschick und Können. Bernd Götz hat sich besonders um die Wehr verdient gemacht. Er ist der Gründer der Jugendfeuerwehr im Jahre 1968. Die Sonnenwendfeier sowie der Weihnachtsmarkt sind seine "Erfindungen". Nachdem Bernd Götz zum Stadtbrandinspektor gewählt wurde, übergab er nach 10-jähriger erfolgreicher Tätigkeit die Wehr an seinen Nachfolger Heinz Jürgen Bär. Leider übte Heinz Jürgen Bär sein neues Amt nur knapp ein Jahr aus. Seine Nachfolger im Amt, Stefan Weber und Eric Schiele führten die Wehr jeweils nur 2 Jahre. Thorsten Haag war der Vierte im Bund der jungen Wehrführer. Seit 1994 steht er an der Spitze und führt mit viel Engagement und Ehrgeiz, ausgestattet mit einem hervorragenden technischen
Wissen.

Im Jubiläumsjahr ist die Bierstadter Wehrmit 1 LF 16; 1 LF 8; 1 RW 1; 1 MTF gut ausgerüstet. 276 Mitglieder, davon 40 Aktive und 25 Jugendliche sind zur Zeit der MItgliederbestand in Bierstadt.
 
Seit 1948 hatte die Wehr 2402 Einsätze zu verzeichnen. Noch schlagkräftiger ist die Bierstadter Wehr durch die Errichtung der Feuerwache Ost der Berufsfeuerwehr Wiesbaden geworden. Gemeinsame Ausbildung und gemeinsame Feuerbekämpumg mit den Freunden der Berufsfeuerwehr der Wache Ost sind Garant, daß der Brandschutz in Wiesbaden-Bierstadt und seinen Nebengebieten vollauf gesichert und in guten Händen ist. Die Zusammenarbeit mit der Wache Ost gilt als vorbildlich.
 
Und wenn nun am Jubiläumstag der 15 Gründer gedacht wird, soll das nicht nur der Dank an sie für ihre Treue und Hingabe, an die edle Tätigkeit in unseren Reihen, sondern auch Aufforderung an die so zahlreich vertretene Jugend sein, ebenso einsatz- und opferbereit zu sein. So sei, wie bisher Eintracht und Liebe das Motto, unter dem wir in die Zukunft gehen. Wir Feuerwehrmänner sind stolz darauf, in Not und Gefahr unseren Mitmenschen beizustehen, um Hab und Gut erhalten zu können, denn Goehte sagt:
 
"Manches Herrliche der Welt ist durch Krieg und Streit zerronnen. Wer beschützet und erhält, hat das beste Teil gewonnen".

Geschrieben von Horst Kessel

 

Im Jahr 2005 legte Thorsten Haag aus beruflichen Gründen sein Amt als Vereinsvorsitzender nieder. Da sich leider noch kein Nachfolger gefunden hatte, wurde der Verein kommissarisch von 2. Vorsitzenden Jürgen Frechenhäuser weitergeführt. Im Jahr 2006 übernahm dann Karl-Jürgen Ruf die Funktion als Vereinsvorsitzender der Freiwillige Feuerwehr Bierstadt und begleite dieses Amt noch bis heute.

Im Jahr 2008 legte Thorsten Haag aus beruflichen Gründen sein Amt als Wehrführer ab. Seit dem wird die aktive Wehr von Christoph Götz geleitet.